Neues Projekt: Ein Pferd für den Parareining – Sport

Letztes Jahr nahm Anne Kammeier mit Inja Wopila an der Parareining Weltmeisterschaft in Ermelo (Niederlande), erfolgreich teil. Das Training mit Nicolas Lammers und seiner Stute Inja Wopila hat Annes Interesse für die Reining geweckt und es war klar, es sollte weitergehen. Nach der Weltmeisterschaft ging Wopila allerdings in die Zucht und so wurde ein neues Leihpferd gesucht. Die Suche gestaltete sich jedoch als extrem schwierig, da viele Besitzer talentierter Pferde diese nicht als geeignet für einen Parareiter sahen. Aus dieser Schwierigkeit heraus entstand die Idee ein junges Pferd direkt für die Parareining auszubilden. Anne und Nicolas begannen ein ehrliches, cooles und talentiertes Pferdchen zu suchen und wurden schließlich in Berlin fündig. Am ersten Oktober zog dann der dreijährige MJ Please be a Cowboy (kurz Cowboy) nach Rödinghausen. Schon beim ersten Führen durch Anne war klar: der Kleine passt auf und stellt sich auf Anne ein. An der Hand blieb der kleine Cowboy langsam und beim Putzen gab es keine schnellen Bewegungen. Bereits nach vier Wochen unter dem Sattel konnte Anne in Begleitung von Nicolas ins Gelände. Kurz darauf begann Anne selbstständig mit Cowboy Übungen im Schritt und Trab zu erarbeiten, sowie erste Spins zu machen.

Anne und Cowboy sind ein schönes Beispiel dafür, worauf bei der Auswahl und Ausbildung eines für Parareiter geeigneten Pferdes zu achten ist. So ist es unter anderem von großem Vorteil sich im Vorfeld über die Vorfahren des Pferde in Hinblick auf das Exterieur und das Interieur zu informieren. In Hinblick auf das Exterieur sollte ein Parareitpferd vor allem belastbar sein und zu den Bedürfnissen des Reiters passende Gänge haben. Mit Belastbarkeit ist in diesem Falle nicht primär die Fähigkeit viel Gewicht zu tragen gemeint, sondern mit dem unter Umständen ungleich verteiltem Reitergewicht zurecht zu kommen. Je nach Reiter bzw. Handicap muss das Pferd auch Gleichgewichtsprobleme ausgleichen, oder einen weniger geschmeidig sitzenden Reiter gut und ohne gesundheitliche Probleme zu entwickeln, tragen können. Hierfür ist es hilfreich, dass das Pferd möglichst keine Gebäudefehler mitbringt und sich gut versammeln kann. Cowboys Eltern und Großeltern sind alle erfolgreich im Reiningsport vorgestellt worden und haben ein gut kontrollierbares Temperament. Der kleine Cowboy ist ein drahtiges, ausdauerndes und waches Pferd, welches sich gut über längere Zeit konzentrieren kann, ohne ungeduldig zu werden. Gleichzeitig bringt er viel Talent für die Manöver Stopp und Spin mit, hat gute Grundgangarten und zeigt einen positiven Vorwärtsdrang. Sein Galopp zeigt relativ wenig Schwung, wodurch er sehr gut zu Anne passt, die einen schwungvollen Galopp körperlich nicht meistern kann. Darüber hinaus ist er sehr menschenbezogen und lernfreudig, was die Arbeit mit ihm erleichtert und zum Thema Interieur und Ausbildung überleitet.

 Ein für Parareiter geeignetes Pferd muss natürlich noch einmal mehr in Extremsituationen Ruhe bewahren können und sich immer von seinem beeinträchtigten Reiter händeln lassen. Außerdem muss es Mental in der Lage sein, Aufgaben auch fast selbstständig auszuführen oder auch mal das Kommando zu übernehmen, um die Situation zu retten. Dafür braucht es ein intelligentes, cooles und empathisches Pferd mit viel Selbstvertrauen, das seine Aufgabe gerne macht. Ein gutes Interieur allein macht natürlich noch kein perfektes Parareining- Pferd weshalb Cowboy eine gute Grundausbildung erhält. Diese bestand am Anfang aus fundierter Bodenarbeit, woran sich die Gewöhnung an den Reiter und hier ganz besonders an Anne anschloss. Cowboy sollte früh lernen dass bestimmte Bewegungen auf seinem Rücken auch etwas anders sein können. Deshalb wurde Cowboy mit Anne auf seinem Rücken als Handpferd mit ins Gelände genommen, um sich in entspannter Atmosphäre mit seiner Reiterin und unterschiedlichen Außenreizen auseinander zu setzten. Auf dem Reitplatz durchläuft er die normale Ausbildung eines Reiningpferdes mit etwas mehr Fokus auf Gymnastizierung, um die beschriebene Mehrbelastung lange ohne Schäden zu tragen. Auch bei diesem Training wird Anne immer mit einbezogen, um ihr Pferd schließlich alleine trainieren und gesunderhalten zu können. Um das Training möglichst abwechslungsreich und praxisnah zu gestalten werden Nicolas Zwergzebu Rinder eingesetzt, sodass das Erlernte direkt in der Praxis umgesetzt werden kann. Zudem fördert die Rinderarbeit die Reaktionsfähigkeit und Koordination des Pferdes und ist ein guter Test dafür, ob das Pferd sein Temperament kontrollieren kann, wenn es zwischen schnellem Treiben des Rindes und ruhigem Verharren wechseln muss.

Im Dezember waren Anne und Cowboy bereits so weit, dass sie an der Longe galoppieren konnten. Der kalte Winter verlangsamte ein weiteres Vorankommen, da Anne bei frostigen Temperaturen körperlich Probleme hat. Dies hielt sie aber nicht gänzlich vom Reiten ab, weshalb sie es sich nicht nehmen ließ mit Cowboy bei einem Parareiningkurs, den ihr Trainer Nicolas leitete, teilzunehmen. Hierbei wurde der kleine Cowboy vor die Herausforderung gestellt sich in einer fremden Halle mit unbekannten Pferden ruhig (nur im Schritt und Trab) von Anne reiten zu lassen. Wie erhofft, meisterte er die ungewohnte Situation und bewies sich damit einmal mehr als gutes Parareitpferd das auf seine Reiterin achtet und ihre reiterlichen Schwächen ausgleicht. Nebenher wurde der Kleine viel im Roundpen an der Longe gearbeitet und auf Spaziergänge mitgenommen, immer in Begleitung von Anne, damit die zwei sich weiter kennenlernen und ihre Bindung verstärken können.

Im Frühjahr startete Nicolas dann Jungpferdeklassen. Drei Turniere reichten um die Qualis in allen drei Klassen zu erreichen. Die Begabung liegt dabei in der Reining, aber auch die anderen Prüfungen brachten sehr ansprechend Ergebnisse. Anne konnte auch hier bereits mit abreiten. Der kleine Cowboy blieb einfach auch in dieser ungewohnten Situation des Turniers ruhig und aufmerksam. Da machte sich das Trainieren im Gelände bezahlt.

Gesundheitliche Probleme machten einen Start auf einem Turnier mit Anne diesen Sommer unmöglich. Aber für nächstes Jahr haben sich die Drei viel vorgenommen.

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